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  • miriamsinzinger6

Wir sind jetzt echte Künstlerinnen...


Wenn ein französischer Hauch charmant-melancholischer Luft unter den Dachschrägen einer subtil spürbar viel zu kleinen Wohnung schwebt, die es immer schafft ihre Unvollkommenheit so zu dosieren, dass sie einen Seufzer romantischer Gefühle erweckt;

Wenn die sanft blühende Unordnung, als Symbol wogender Kreativität, die schicke Chaotin mit den geheimnisvollen Augen voller unvollendeter Werke umgibt;

Wenn, geküsst von der Muse in Erscheinung einer abnormen Liebe, die Sehnsucht niemals ruhen und das Geld immer fehlen darf, dann kann man zufrieden erkennen: dies ist eine echte Künstlerin! Sie lebt "artgerecht"! Sie entspricht unserem geliebten trist-romantischen Klischeebild! Als Zugabe: um sich mit dem obligatorischen Krönchen der sagenumwobenen Bezeichnung "zeitgenössisch" schmücken zu können, darf eine einer Brise aussagebefreiter Nacktheit nicht fehlen.

So haben wir, stolzen Hauptes und demütigen Knies, für ELSE unser letztes Hemd gegeben (und das, obwohl sie es sowieso wieder auszieht), sodass wir euch nun die frohe Botschaft verkünden dürfen:

Wir sind jetzt echte Künstlerinnen!

Wie aus dem Bilderbuch!

Wir wurden mit Applaus genährt und aus strahlenden Augen mit tiefen Wassern versorgt. Nur die Miete hat sich davon nicht bezahlt und unser Kater Camino war nicht restlos davon begeistert zukünftig von Erfolg statt Dosenfutter zu leben.

Und so nahm die Vervollkommnung unseres Künstlerimages ihren Lauf - kurzentschlossen sind wir als tragische Heldinnen aufgebrochen, haben unsere geliebte bunte Wohnoase, die Stadt der Möglichkeiten und andere materielle Lasten zurückgelassen, um uns in einer kleinen verstaubt-verwinkelten Mansarde im Haus von Miris Oma einzunisten.

Das mit der Melancholie hat anfangs ganz hervorragend geklappt, aber um ehrlich zu sein haben wir sie alsbald wieder ziehen lassen, da sie sich als überdurchschnittlich unproduktiv erwiesen hat. Und zugeben, es gab da noch eine andere Gegebenheit, die uns einen Strich durch die "artgerechte" heroische Tragik gemacht hat: unsere Familie! Die verhält sich nämlich liebevoll unterstützend! - Wie soll man bitte zu einer markanten Künstlerin werden, wenn man nicht rebellieren, kämpfen, leiden, saufen muss, um schließlich wie ein Phönix aus dem Aschenbecher zu steigen??

In einem perfekt abgestempelten Künstlerleben ist der einzige aus der Familie, der annähernd versteht, der ewig treuherzige, geduldige, allzeit für ein Kunststück bereite Gentleman von Hund. Wenn die Familie schon nicht Klischee spielt, dann musste also wenigstens ein Hund her!

Der ewig treuherzige geduldige Gentlemen – das blieb bei uns allerdings der Kater. Allzeit für ein Kunststück bereit – das waren von nun an wir. Mikey hat uns gewissenhaft weit aus unserer zufriedenen Gemütlichkeit katapultiert…

Mit seiner dreisten Baby-Selbstverständlich-keit kam er im eisigen Jänner zu uns, um uns alle 17 Minuten vom Dach bis in den Garten und wieder zurück sprinten zu lassen, nur um festzustellen, dass der Weg auch bei Lichtgeschwindigkeit zu weit ist, um die Notdurft zurückzuhalten. Auch als gedeihender Teenager nimmt Mikey seinen Job sehr ernst: Er sorgt mit erbarmungsloser Akkupunktbeißmassage und aus voller Kehle interpretiertem Free Jazz dafür, dass wir tagtäglich mit der Sonne aufstehen, oder zieht uns gleich selbst am Ärmel hinaus. Er beteiligt sich regelmäßig am Aufwaschen des Bodens indem er Spaß daran findet auch den schwersten Wassernapf von der Küche ins Wohnzimmer zu befördern, textet jeden Besucher lautmalerisch mit seiner Meinung zu, bis dieser freiwillig wieder geht, beweißt sich als expressionistischer Gärtner und kümmert sich darum, dass die Liebe sehnsuchtsvoll und kreativ bleibt, indem er die Musen nur küssen lässt, wenn er sie nicht erwischt.

So haben wir uns in unserem avantgardistischen Lebenskünstlerleben also ein Nestchen voller idealer Reibungspunkte gezimmert, um den größten Drang unseres Daseins befriedigen zu können: Zu erschaffen. Und wir brüten schon hingebungsvoll! Denn, wie wir alle wissen, geht die Geschichte so: wird die verkannte, aber einzig wahre, Künstlerin an einer Schicksalskreuzung entdeckt, erreicht sie das nächste Level und wird zum „Star“ transformiert. Das ist zwar im Image minderwertiger, bezahlt aber die Rechnungen.

Zusammenfassend könnte man also sagen: wir arbeiten am Aufstieg ins nächste Level und sind gewillt das Label „artgerecht“ zu revolutionieren.

#Künstlerleben #Privat #Mikey #Camino #AufderReise

38 Ansichten

ladyglich​

ladyglich@gmail.com
+43 (0) 699 / 172 160 50 (Miriam Kerneža)

Auf der Heide 17, 2700 Wr. Neustadt

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