Aus dem

Nähkästchen gebloggt

Habe ich den Mut dorthin zu sehen, wo kein Licht ist?

November 14, 2018

“NOIR SANS VOUS - Dunkel ohne Euch” hat seinen Ursprung im Jahr 2011. Ich war tief eingegraben in den Spuren von Augusto Boal, dem Gründer des Theater der Unterdrücken. Ich verschlang Theorien und Geschichten aus dem revolutionären Brasilien der 60er Jahre. Meine Synapsen fischten nach Brücken von damals zum jetzt: Wo gibt es gleiche Muster? Welche bereits erfundenen Räder könnten wir heute fahren? Und warum ist alles in der Vergangenheit immer so viel romantischer?
Eine Geschichte, die mich damals nachhaltig tief beeindruckte, handelte davon, wie Boals Theatergruppe vor Grubenarbeitern spielen sollte und sie plötzlich damit konfrontiert waren, dass es in den Bergstollen kein Licht gab. Statt aufwendig Scheinwerfer aufzutreiben, leuchteten die Grubenarbeiter kurzerhand mit ihrer Stirnlampen die Bühne aus...

Was ich an der Idee mochte, war nicht bloß die pragmatische Herangehensweise an das Beleuchtungsproblem, sondern vielmehr der Gedanke wohin die Zuseher mit ihren Lampen leuchten würden… wo sehen sie während einer Vorstellung wirklich hin? Immer nur auf die Person, die spricht, oder lenken andere Geräusch von der Haupthandlung ab? Sehe ich dorthin wo alle hinsehen, ergo dorthin wo schon viel Licht ist, oder habe ich den Mut auch dorthin zu sehen wo noch kein Lichtstrahl hingeht? Habe ich diesen Mut auch dann, wenn mein Licht (=mein Blick) sichtbar ist?

 

Es war 2013 und ich konzipierte ein kleines Licht-Experiment: eine Kollage an Dialogen verschiedenster Figuren diverser Stücke. Ich hatte bestehende Textpassagen und Handlungen ausgewählt, aneinander und durcheinander gereiht, sodass ich die Fragen nach dem „wohin schauen die Zuseher“ erforschen konnte. Ich wählte damals den Titel „Noir Sans Vous – Dunkel ohne Euch“, da das Experiment ohne die Lichtquelle vom Publikum einfach im Dunklen gespielt werden würde. Französisch deshalb, weil es mir gefiel, weil Frankreich für mich etwas mystisch-dunkles hat, weil Frankreich nicht nur politisch immer schon ein revolutionäres Land ist, sondern auch in Kunst, Mode und Design einfach so viel Schönheit produziert. Das kurze Experimental-Stück wurde zu einer Dokumentenleiche auf meiner Festplatte... der magische Name blieb.
In Diskussionen mit Sarah kam die Stirnlampen-Idee immer wieder hoch, doch sie schien nie passend zu sein.

 

Es war Sommer 2017, wir waren am Schreiben des Stücks PORTRAIT und plötzlich lief eine kleine Kriminal Geschichte neben uns her, die wir beide sofort als NOIR SANS VOUS identifizierten. Sie hatte zu der Zeit keinen Platz größer gedacht zu werden, doch wir bewahrten diesen Samen mit aller Behutsamkeit. Dann war es Frühling 2018 und unser PORTRAIT feierte Premiere, wir schmiedeten Pläne für den Sommer… einmal lange wegfahren… richtig lange… ein paar Monate um den Kopf frei zu kriegen… mit dem Auto… nur wir zwei und der Hund… nach Frankreich… Noir Sans Vous will geschrieben werden!“

 

„Und dann?“

 

„Haben wir das genauso gemacht!“

 

„Und jetzt?“

 

„Jetzt haben wir 60 Stirnlampen aus Indien zu Hause und finden bald raus, ob das alles ein vollkommener Blödsinn oder richtig cool ist. Mir ist beides recht!“

 

Von: Miriam Kerneza

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